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AUS EINS MACH‘ DREI

Welcher Bereich im öffentlichen Raum muss die beste Beleuchtung bekommen? Entscheidungen dazu fielen in den 1970er Jahren meistens zugunsten des Autoverkehrs. In Obernzell bei Passau hat man sich damals für Neonröhren
entschieden, die an Seilen gespannt vor allem die Mitte der Fahrbahn beleuchteten. Als sich der Stadtplaner und Architekt Alexander Feßl 2010 die ersten Gedanken zur Sanierung des historischen Marktes von Obernzell machte, stand für ihn fest: In den Mittelpunkt des Lichts gerückt wird der Mensch, danach kommen die historischen Fassen und erst an dritter Stelle steht der Autoverkehr.

Zunächst waren noch Metalldampflampen in Planung, dann aber hat die rasante Entwicklung der LED-Technologie neue Möglichkeit geschaffen. Man änderte im laufenden Prozess die Strategie und realisierte Wandleuchten in LED-Technologie.

Maßstab ist der Mensch

Das Zentrum von Obernzell hat eine räumliche Ausdehnung, die den Ort unverwechselbar macht: Der Markt ist 400 Meter lang, Die geometrische Struktur des Marktes stammt aus dem 13. Jahrhundert, als der Ort zum Hochstift Passau kam und mit Marktrechten ausgestattet wurde. Gesäumt wird der 400 Meter lange Markt von zwei Häuserfluchten in einer geschlossenen Bauweise.

Mit den räumlichen Bedingungen und den Vorgaben des Denkmalschutzes ergab sich eine besondere Problematik. Wie konnte man die langgestreckte Häuserflucht beleuchten, ohne das Bild des Ensembles zu stören? Der Gemeinderat zog den Lichtplaner und Vertriebsleiter der Manufaktur Bergmeister Leuchten, Hans Lichtl, zu Rate. „Wenn man hier Masten aufstellt, erzeugt man einen ungünstigen Tunnelcharakter und man unterbricht den Blick auf die Fassaden“, so lautete sein Urteil. Seine Idee: Die Leuchten werden an den Fassaden angebracht und erfüllen drei Funktionen in Einem: Eine breitstrahlende Beleuchtung der Fassaden, eine breitstrahlende Beleuchtung der Fußgängerbereiche mit 25 Lux und eine tiefstrahlende Beleuchtung der Fahrbahn mit 15 Lux. Eine Vorgabe, die eine innere Dreiteilung der Leuchte erforderlich machte.

Der Blick zur Fassade gelenkt

Die Fassaden am Obernzeller Markt wurden in ihrer besonderen Charakteristik hervorgehoben und ins sprichwörtlich „rechte Licht“ gesetzt. Je nach Höhe und Fassadengliederung wurden die Leuchten an einer anderen Stelle der zwei- und dreistöckigen Gebäude montiert. Damit ergab sich ein weiteres Problem: Die Lichtkegel mussten in ihren Abstrahlwinkeln individuell angepasst werden: kein einfaches Unterfangen.

Mit der unterschiedlichen Anordnung der Leuchten ist ein Effekt entstanden, der dem Stadtplaner Alexander Feßl besonders wichtig war: „Wir haben einen sehr lebendigen Charakter der Lichtkegel geschaffen, mit einem Wechsel von dunklen und hellen Bereichen.“

Gegen die Idee von Wandleuchten gab es zunächst Vorbehalte von den Hauseigentümern und den Denkmalschutzbehörden. Mit einer bürgernahen Informationspolitik und einer sehr aufwändigen Bemusterung konnten schließlich alle Bedenken ausgeräumt werden. Heute genießt die Beleuchtung in der Bevölkerung einen sehr großen Zuspruch.

Auch Bürgermeister Josef Würzinger ist mit dem Resultat zufrieden: „Die Maßnahmen haben den Markt in architektonischer wie lichttechnischer Hinsicht aufgewertet.“ Die ersten Effekte haben sich bereits eingestellt. Einzelne Hauseigentümer stellen in Aussicht, die eine oder andere Fassade sanieren zu lassen. Die Marktgemeinde unterstützt Maßnahmen dieser Art und gibt Zuschüsse aus der Gemeindekasse.

Lesen Sie mehr dazu im Magazin LICHT, Ausgabe 11/12.

Bildergalerie Obernzell

Architekt: Fest und Partner Hauzenberg
Lichtplanung: HL LichtTechnik Ruhpolding

Pressebericht Zeitschrift Licht:
Pressebericht Bayerischer Staatsanzeiger:
Pressebericht Deutsche Bauzeitung: